Historisches

Die Freiwillige Feuerwehr Hennersdorf – ein historischer Überblick
(EOBR wHR Dr. Karl Steininger; aus: Ch. Fastl/I. Ganster (Red.), Hennersdorf. Ein Streifzug durch seine Geschichte, Hennersdorf 2004 [leicht verändert])

Erste Nachrichten betreffend das Hennersdorfer Feuerlöschwesen stammen aus dem Jahr 1530, im Hennersdorfer Banntaiding sind genaue Vorschriften bezüglich der Brandverhütung und der Hilfeleistung im Brandfall überliefert. Bis 1848/49 oblag der Feuerschutz der jeweiligen Ortsobrigkeit (Herrschaft), ab 1850 hatten sich die neu geschaffenen Gemeinden selbst um diese wichtige Aufgabe zu kümmern.
Damals erhielten noch verschiedene Hennersdorfer Bauern eine Remuneration seitens der Gemeinde, wenn sie das Amt eines Feuer- oder Vorspannkommissärs bzw. eines Spritzen- oder Rohrführers im Brandfall übernahmen.

Wie unzureichend jedoch diese ersten Brandschutzmassnahmen der noch jungen Gemeinde waren, zeigte sich am 13. August 1861, als ein verheerender Brand den halben Ort in Schutt und Asche legte. Folgender Zeitungsbericht (Morgen-Post v. 15.8.1861) berichtet vom damaligen Ereignis:

     „(Feuer.) Vorgestern um 2 Uhr Nachmittag brach in Hennersdorf hinter Laxenburg Feuer aus, welches 25 Häuser und mehrere Scheuern [sic] in Asche legte. Das Pfarrhaus und die Kirche brannten ebenfalls ab, nur durch die Umsicht und Thätigkeit der Wiener Löschmannschaft wurde von letzterer ein Theil des Daches und der Thurm gerettet.“     

Tatsächlich brannte jedoch von der Kirche „nur“ das Dach ab, besonders hervorgetan bei den Löscharbeiten soll sich Oberlehrer Johann Sipser d. J. haben
Die Brandursache war bald geklärt – das Feuer war vermutlich beim Schmalz auslassen im Haus CN 6 (Hauptstraße 36) ausgebrochen – doch vermutete dieselbe Wiener Zeitung Brandlegung und berichtete zwei Tage später:

     „Ein Mann, angeblich Taglöhner, wurde als der Brandlegung in Hennersdorf verdächtig, verhaftet. Man fand bei demselben Zündhölzchen in großer Menge.“     

Trotz dieser Katastrophe dauerte es bis ins Jahr 1880, als der damalige Oberlehrer Heinrich Pehm am 11. August jenes Jahres den Antrag zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr einbrachte. Der Gemeindeausschuss unter Bürgermeister Ferdinand Hausenberger genehmigte am 29. August die vorgelegten Statuten und die K. k. niederösterreichische Statthalterei bestätigte dieselben am 8. Oktober.

Da die Reparaturkosten der alten Feuerspritze zu hoch waren, kaufte die Feuerwehr 1884 gemeinsam mit der Gemeinde eine neue Feuerspritze an, die heute noch im Besitz der Feuerwehr und immer noch funktionsfähig ist. Eine moderne Dampfspritze wurde 1908 um die stolze Summe von 6.100 Kronen von der Firma Kernreuther angekauft.
Ein Mannschaftswagen wurde zusammen mit einer Benzinmotorspritze auf Anhänger 1924 angeschafft.

Die Mannschaft im Jahre 1900

Brand Tomaschek 1928

Übung 1935

1939 wurde die Feuerwehr mit Bescheid der Gauhauptmannschaft Niederdonau als Verein aufgelöst und in eine Gemeindeeinrichtung umgewandelt, sie wurde eine technische Hilfstruppe („Feuerschutzpolizei“) für Hilfeleistungen bei öffentlichen Notständen aller Art. Diese technischen Hilfeleistungen sind als zusätzliche Tätigkeiten im Feuerwehrwesen geblieben, sie machen heute ca. 70% der Einsatztätigkeit aus.
Von 1945 bis 1955 war die Feuerwehr der Wiener Berufsfeuerwehr unterstellt. Am 9. Jänner 1949 wurde die Wehr als Verein wieder reaktiviert und der Mitgliederstand auf 28 Mann aufgestockt. Bei den Kriegshandlungen war das Feuerwehrauto ganz zerstört worden, die Motorspritze konnte nach einer Reparatur wieder in Betrieb genommen werden und war bis 1960 einsatzfähig. 1948 wurde daher aus amerikanischen Armeebeständen ein Dodge-Jeep angekauft, in ein Feuerwehrfahrzeug umgebaut, beim 70-jährigen Gründungsfest (1950) gesegnet und in Dienst gestellt; Patin war Frau Stefanie Schober. Dieses Fahrzeug ist heute noch als Mannschaftstransport- und Lastenfahrzeug einsatzfähig.

1955 wurde von der selbständig gewordenen Gemeinde erstmals eine Subvention von 5.000,- Schilling der Wehr überwiesen. Ein Kleinlöschfahrzeug (FK 1000) mit Tragkraftspritze (RVW 75) wurde 1956 von der Gemeinde angekauft, Patin war Frau Margarete Wiesmayer. Zum 80-jährigen Bestand (1960) erwarb man eine zweite Tragkraftspritze mit Anhänger (TSA 750), Patin war Frau Anna Koza. Bei der Jahreshauptversammlung 1961 erklärte Bürgermeister Josef Postl schließlich, dass von nun an die Gemeinde für die Uniformierung der Feuerwehrleute aufkommen werde. Die Gemeinde übernahm auch 1962 die Anschaffungskosten eines Tanklöschfahrzeuges von der FF Guntramsdorf. Im selben Jahr kam es zum ersten Katastropheneinsatz der 14. F.u.B.-Bereitschaft (Feuer- und Berge-Bereitschaft) nach einem Unwetter in Haugsdorf und Watzelsdorf (Bezirk Hollabrunn), dort waren fünf Mann mit einem Fahrzeug einen Tag lang im Einsatz.

1956

Mit dem Niederösterreichischen Feuerpolizei- und Feuerwehrgesetz (NÖFFG) wurden die Feuerwehren 1970 eine Körperschaft öffentlichen Rechtes. In der Folge kaufte die Gemeinde von der FF Maria Enzersdorf ein Tanklöschfahrzeug 2000 um 250.000,- Schilling an. Anlässlich des 95-jährigen Bestandsjubiläums (1975) konnten in unserer Gemeinde erstmals die Bezirksfeuerwehrleistungsbewerbe durchgeführt werden. Zu diesem Anlass kamen auch 38 Feuerwehrkameraden, zum Teil mit Ehefrauen, samt Ortsvorsteher Heinz Kretzschmar aus Neuweiler (Gemeinde Weil im Schönbuch, Baden-Württemberg/D) zu uns. Bei diesen Festtagen wurde der Grundstein für die Patenschaft zwischen Hennersdorf und Neuweiler gelegt. Im Rahmen eines Gegenbesuches 1976 konnten 20 Mann unserer Wehr bei den Baden-Württembergischen Kreisleistungsbewerben in Sindelfingen das deutsche Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze erringen.

Ein weiterer Höhepunkt im Feuerwehrgeschehen war die Gründung einer Feuerwehrjugendgruppe mit 17 Buben im September 1976. Im April 1977 beschloss die Mitgliederversammlung den dritten Feuerwehrhauszubau. Beim Florianitag jenes Jahres wurde auch ein Kommandofahrzeug (Toyota) gesegnet und in Dienst gestellt, Pate war Kommerzialrat Direktor Seibt der Firma Wienerberger.
Beim Großbrand der Firma Sleepy am 28. Juni 1978 gelang es zwei Feuerwehrmännern (Heinrich Toyfl und Erich Völkl) unter Einsatz ihres eigenen Lebens das Leben eines Kameraden der FF Vösendorf zu retten. Sie erhielten dafür von Landeshauptmann Andreas Maurer die Lebensrettermedaille des Bundeslandes Niederösterreich.
Anlässlich des 100-jährigen Gründungsfestes (1980) wurden wiederum die Bezirksfeuerwehrleistungsbewerbe in unserer Gemeinde durchgeführt.

1984 restaurierte Feuerwehrkamerad Max Houdek die 1869 aufgebaute und 1884 angekaufte Handdruckspritze, diese befindet sich heute als Leihgabe im Feuerwehrmuseum in Maria Enzersdorf. Beim 105-jährigen Gründungsfest (1985) wurde das von der Gemeinde finanzierte neu Rüstlöschfahrzeug 2000 (Steyr) gesegnet und in Dienst gestellt, Patinnen waren die Frauen der Feuerwehrmänner. Wiederum wurde der Bezirksfeuerwehrtag in unserer Gemeinde im Heurigenlokal der Familie Schrank abgehalten.
1990 wurde anlässlich des 110-jährigen Gründungsfestes im September der Bezirksfeuerwehrtag in unserer Gemeinde abgehalten, in diesem Rahmen wurde auch ein Kleinlöschfahrzeug (Mercedes) gesegnet und in Dienst gestellt; Patin war Frau Helga Toyfl. Ebenso wurde die neu geschaffene Florianistatue für die Florianisäule beim Feuerwehrhaus gesegnet.

Die Mannschaft der FF Hennersdorf 1985

Im Herbst 1997 konnten durch Spenden der Bevölkerung neue, moderne Feuerwehrhelme angeschafft werden, zum vollständigen Körperschutz finanzierte die Gemeinde 2003 bzw. 2004 den geltenden Normen entsprechende Einsatzuniformen.

Im Jahr 2000 beging unsere Wehr im Rahmen eines großen Festwochenendes vom 24. bis zum 25. Juni ihr 120-jähriges Bestehen. Der Feuerwehrhauszubau wurde eingeweiht und ein neues Kommandofahrzeug (Mercedes) gesegnet sowie in Dienst gestellt; Patin des neuen Fahrzeuges war Frau Elisabeth Wiesmayer. Im Rahmen dieser Festlichkeiten fanden auch die Bezirkfeuerwehrleistungsbewerbe in Hennersdorf statt.

Im April 2002 wurden die alten, erneuerungsbedürftigen Einfahrtstore auf der Bachgasse-Seite des Feuerwehrhauses durch moderne Sektionaltore ersetzt. Die notwendigen Planungsarbeiten wurden zum größten Teil von den Feuerwehrmitgliedern selbst durchgeführt, auch erfolgte der Ausbau der alten Tore in Eigenarbeit, wodurch eine enorme Kostenersparnis erreicht werden konnte. Ebenfalls in Eigenregie wurde eine neue Eingangstür von der Bachgasse ins Feuerwehrhaus ausgebrochen. Die Kosten beliefen sich trotzdem noch auf € 12.354,-.

Anlässlich des 125-jährigen Gründungsfestes wurden im Juni 2005 zum vierten Mal die Bezirksfeuerwehrleistungsbewerbe in Hennersdorf abgehalten. Auch wurde ein neues Versorgungsfahrzeug (Mercedes) angekauft, Patin war Frau Marianne Schrank.


Kommandanten

1880-1885 Andreas Taschler
  Ehrenkommandant ab 1881: Karl Lesk
1885-1887 Ernest Hausenberger
1887-1892 Andreas Taschler
1892-1898 Franz Müller
1898-1906 Johann Toyfl
1906-1911 Ferdinand Hausenberger
1911-1920 Johann Wiesmayer (1911-19 Ausschussmitglied des Bezirksfeuerwehrverbandes Schwechat)
1920-1922 Franz Schrank
1922-1951 Eduard Hausenberger
  provisorischer Leiter der Feuerwehr 1945-49: Franz Suchentrunk
1951-1960 Josef Krauthauf
1960-1971 Ferdinand Hausenberger
1971-1991 Dr. Karl Steininger (1982-94 Bezirksfeuerwehrkommandant)
1991-2001 Rudolf Wiesmayer
2001-2006 Heinrich Toyfl (2001-08 Unterabschnittsfeuerwehrkommandant)
2006-2011 DI Karl Brezovits
seit 2011 Ing.Peter A. Stahl

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